Autoelektronik: Sicherheitslücken & selbstfahrende Autos

Je mehr Technik und IT ins Auto kommt, desto mehr Komfort gibt es für den Fahrer, jedoch wird das Fahrzeug damit auch anfälliger für Hackerangriffe.

Die meisten denken an die smarte Technologie, die das Fahrerlebnis individualisiert und zu einem angenehmen Erlebnis macht. Stimmt auch. Klimaanlagen, Innentemperatur, favorisierte Radiosender und vieles mehr lassen sich mit den Onboard Computern mittlerweile steuern und auch per App vom eigenen Smartphone aus kontrollieren. Auch verfügen einige Wagen bereits über verschiedene Versionen von Autopiloten, die das Einreihen in eine andere Spur oder Fahrgeschwindigkeitsanpassungen übernehmen. Weniger Stress für den Fahrer und mehr Zeit und um sich auf das Wesentliche beim Fahren zu konzentrieren. Doch die Technologisierung des Wagens, samt der zunehmenden Konnekitivtät an das World Wide Web birgt auch Risiken.

man connecting phone with auto play to the car media system

Smartphone und Auto sind bereits unzertrennliche Technologien

Wenn das intelligente Auto plötzlich unsicher wird

Immer öfter hört man davon, dass Autos via mobile device oder PC gehackt werden. Dies stellt ein Problem dar, da bereits viele Fahrzeughersteller in den USA Sicherheitsfeatures wie Geschwindigkeitsanpassungen, Stauassistenten, Bremsfunktionen, Parkassistenten und Spurwechselhilfen über integrierte Software und Apps laufen lassen. Alles was im Auto an Software installiert wird, ist somit theoretisch angreifbar. Wenn man an die Zukunft denkt, und daran, dass selbstfahrende Autos das Straßenbild dominieren sollen, kann einemschon etwas mulmig werden. Denn je intelligenter die Fahrzeuge werden, desto angreifbarer sind sie – wie auch in den folgenden Fällen von Sicherheitsexperten getestet und bewiesen wurde.

Kein Hersteller ist sicher

Tesla Model S in blau

Beim Model S wurden Sicherheitslücken behoben

Bei dem Elektrofahrzeug Model S der kalifornischen Firma Tesla Motors konnten Forscher die Autos zum Anhalten zwingen und entriegeln, sobald ein Kabel an das Auto geschlossen und die nötigen Einstellungen unternommen wurden. Die Sicherheitslücke wurde behoben und stellt natürlich kein so großes reales Problem dar, da zunächst ein Kabel angedockt werden muss. Dennoch geben solche Zwischenfälle Anlass zur Sorge. Denn was bei Tesla nur per Kabel ging, wurde bei Fiat Chrysler einfach per Mobilfunkverbindung über das Uconnect-Infotainmentsystem erreicht.

Von dort aus gelangten Sicherheitsforscher, die den Wagen testeten, bequem zu anderen Schnittstellen, die Ihnen erlaubten die Kontrolle über viele wichtige Funktionen zu übernehmen. Die Bremsen, die Beschleunigung, die Türverriegelung, die Klimaanlage und die Scheibenwischer waren davon betroffen. Ebenfalls dramatisch ist die Tatsache, dass es ihnen gelang das Lenkrad im Rückwärtsgang zu übernehmen und so den Fahrer komplett außer Gefecht zu setzen. Auch eine ungewünschte Ortung des Wagens konnte durch den Hack erreicht werden. 1,4 Millionen Wagen wurden daraufhin zurückgerufen um ein Sicherheitsupdate zu erhalten. Zu Fiat Chrysler Automobiles zählen übrigens auch der Alfa Romeo, Dodge, Jeep, Lancia, Ferrari und Maserati. Sie verfügen alle über das Uconnect-System.

BMW-i8-Innenraum

BMW i8 Innenraum

Auch BMW hatte mit Sicherheitslücken zu kämpfen. Dort wurde das Bordsystem Connected Drive gehackt und das Fahrzeug unbefugt entriegelt. Das OnStar-Digitalradio von General Motors stellte sich ebenfalls als angreifbar heraus. In einer Serie von Tests wurde ein Zugangspunkt zum Wagen gelegt, der es möglich machte, dieses sowohl zu öffnen als auch zu starten.

Bei Corvette wurden sogar die Bremsen angegriffen. Präparierte SMS-Nachrichten wurden per Handy an die Telematik-Versicherungs-Box / Blackbox des Wagens gesendet und bildeten so die Brücke. Eigentlich erfüllen diese Boxen den Zweck Informationen über die Fahrweise des Besitzers zu sammeln um Versicherungstarife individuell anpassen zu können. Im Test wurden sie dazu missbraucht, die Scheibenwischer zu betätigen und die Bremsen bei niedrigen Geschwindigkeiten ein- und auszuschalten. All diese Sicherheitslücken wurden behoben, zeigen jedoch wie viele mögliche Schwachstellen es gibt und welche Tests in naher Zukunft auf die Fahrzeuge zukommen werden.

Was Technologie noch verbrechen kann

Ein weiteres Beispiel dafür, dass Technik nicht immer gut ist, zeigt sich auch im Dieselgate-Skandal um VW. Die Firma ließ eine Umgehungs-Software in ihre Dieselwagen installieren, die in der Testphase der EPA (Environmental Protection Agency) aktiv wird. Sie ist so ausgerichtet, dass sie das Full Emissions Control-System nur während dieser Phase nutzt, was zu gefälschten Werten führt. Bis zu 10-40 mal mehr Stickstoffoxid als erlaubt, werden unter normalen Fahrbedingungen in die Atmosphäre befördert. Volkswagen verstieß somit absichtlich gegen das Gesetz und betrog Käufer und die Umwelt über Jahre hinweg. Auch andere Firmen stehen nun im Verdacht ähnliche Tricks eingesetzt zu haben, um die Preise ihrer Wagen gesenkt zu halten und dennoch mit Innovation oder Umweltbewusstsein zu werben.

Was die Zukunft bringt

In parking car a man using his cell phone. Close-up hands

Mit dem Handy Standheizung oder Klimaanlage aktivieren – kein Problem!

Das Smartphone mit dem Wagen zu vernetzen und es dank Lenkradtasten oder Sprachsteuerung zu bedienen ist mittlerweile kein Problem mehr. Einparkhilfen sind Alltag geworden und auch Geschwindigkeitsregulatoren gehören mittlerweile zum Kanon. Doch die Fahrzeuge der Zukunft sollen noch mehr können, wie zum Beispiel den Namen des Fahrers kennen, nur weil dieser gerade das Auto betritt, oder anhand der Ausstattung, die dieser bei sich trägt die Koordinaten für das GPS eingeben können. Oder wissen welche sozialen Netzwerke und Emailadressen aufgerufen und nach persönlichen Nachrichten durchsucht werden sollen, um diese dann in einem angenehmen Tonfall vorzulesen. Wetterbericht, Lieblingsplaylist, perfekte Fahrersitzeinstellung, wie auch den nächsten und billigsten Tank-Stopp, kann das Auto ohne weiteres aufrufen, prognostizieren und übernehmen. All das sind Zukunftsszenarien an denen unterschiedliche Firmen momentan feilen. Autonomes Fahren steht im Zentrum vieler Autohersteller. Bei Bosch wird bereits an den oben genannten Möglichkeiten gearbeitet.

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Im Auto arbeiten und Zeit sparen

Auch Firmen wie Mercedes-Benz investieren in smarte Technologien. Da man beim Fahren zur Arbeit die meiste Zeit im Stau oder dichten Verkehr verbringt, soll diese Zeit künftig bereits für die Arbeit oder für andere wichtige Dinge genutzt werden können, indem man dem Wagen das Fahren überlässt. BMW und Audi wollen das Auto sogar selbst in Parkhäusern auf Platzsuche schicken. Zeit ist das Schlüsselwort und was mit ihr gemacht werden kann, wenn das Auto von alleine in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen und zu agieren. Diese Technologien aber sicher, aktuell und langlebig zu machen, das ist die wahre Herausforderung. Für Nutzer von Smartcars ist wichtig, sich nach neusten Updates und Security Checks zu erkunden, und wie im normalen Gebrauch des Netzes auch, vorsichtig mit Daten und Passwörtern umzugehen.

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Heiner

Heiner Tappe arbeitet seit 2011 in der e-Sixt und hat wahrscheinlich die höchste Veröffentlichungsfrequenz. Heiner gibt viele nützliche Tipps, aber stellt auch regelmäßig günstige Angebote und neue Modelle aus unserer Mietwagenflotte vor.

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