Vielleicht ist es im ersten Teil schon etwas angeklungen: Nur wenige Länder der Welt zeigen sich so abwechslungsreich, so kontrastreich wie Island.

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An den Rändern Fjordlandschaften, Steilklippen oder unendlich scheinende, flache Sandküsten, im Inneren Wüsten und Vulkane, aber auch grüne Täler. Ein Zehntel der Fläche ist von imposanten Gletschern bedeckt. Dazwischen immer wieder pechschwarze Lavafelder, wildromantische Wasserfälle oder heiße Quellen. Deren Dampf frisst sich entweder durch meterdickes Gletschereis oder sie ermöglichen einmalige Entspannungsbäder nur zwei, drei Schritte neben den eisigen Fluten des Nordmeeres.

Wer nach Island reist, erwartet diese grandiose Natur. Stündlich ändert sich der Lichteinfall und läßt das Land um einen herum in einer völlig anderen Stimmung erscheinen. Ähnliches kann man von der Intensität her wohl nur noch in den endlosen Weiten Namibias erleben.  Ohne Regen und den starken Wind versteht sich – diese launigen Gesellen trifft man hier durchaus häufiger an.

DSC01649 300x225 Lost in Iceland   Teil 2Und noch etwas fällt immer wieder auf: es ist beachtlich, was Island mit nur knapp 200.000 Steuerzahlern – zumindest vor der Finanzkrise – auf einer Fläche etwa so groß wie die neuen Bundesländer (über Sinn und Unsinn dieser Wortkonstruktion sei hier nicht weiter nachgedacht) an Infrastruktur geschaffen hat.  Das am dünnsten besiedelte Land Europas wartet an jeder Ecke mit einem Entwicklungsstand auf, an dem sich viele Länder mit dem vielfachen an Steuereinkommen ein Beispiel nehmen können. Vielleicht liegt es – neben den langen und dunklen Wintermonaten – auch daran, dass die höchste Geburtenrate Europas hier zu verzeichnen ist.

Zudem keine Spur vom sonst vermeintlich etwas stillen und zurückhaltenden nordischen Menschenschlag. Überall wird man in perfektem Englisch in mehr oder minder interessante Gespräche einbezogen, Hektik ist hier jedem fremd und man wähnt sich ob der Gelassenheit aller um einen herum zu Recht an einem Platz, wo jeder spätestens am zweiten Tag merkt- hier bin ich willkommen.

Wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind und Sie erspähen zufällig diese typischen Holzkonstruktionen, auf denen Fisch getrocknet wird – steigen Sie aus! DSC01506 150x150 Lost in Iceland   Teil 2Zum einen ist der bereits von den Wikingern als Reiseproviant geschätze Fisch köstlich als Wegknabberei (ähnlich dem südafrikanischen Biltong, nur eben auf Fischbasis) dort direkt zu kaufen, zum anderen ist es ein Erlebnis zu hören, wenn die im Wind zu hunderten  knochenhart getrockneten Fische aneinanderschlagen und dabei klingen als wären es hohle Holzstöcke. Skuril!

Oder aber Sie suchen einen dieser versteckten Orte auf, um fernab jedes Touristen bei 10 Grad Außentemperatur in 35-40 Grad warmen Thermalwasser incl. grandiosem Gletscherpanorama zu DSC01779 225x300 Lost in Iceland   Teil 2baden. Kleiner Insidertip: Nicht weit vom Skogarfoss-Wasserfall (Bild links) an der Südwestküste (aus Richtung Reykjavik kommend von der Ringstraße ca. 5 km vorher links abbiegen).  Hier wurde irgendwann in den 20er Jahren ein kleines Freibad an den Fels gebaut, und auch wenn es heute nicht mehr aktiv betrieben wird, fließt das heiße Wasser noch immer durch das Becken und ein Bad ist inmitten der unberührten Natur ein Genuß. Fahren Sie soweit die Schotterpiste führt, dann kommen Sie an ein neu eröffnetes öffentliches Bad. Nach nur 20min Fußweg von dort am Gletscherfluß landeinwärts ist man da – und will bleiben. Lassen Sie sich auch nicht entmutigen, wenn Sie den Hinweg nicht sofort finden da die Ausschilderung eher verwirrt als hilft – jeder Landwirt hoch oben auf seinem Traktor erklärt Ihnen den Weg zum “closed pool” gern!

Islandreisende, ob pauschal oder individuell unterwegs, treffen sich irgendwann alle. Entweder in einem der Lokale der Hauptstadt – oder in der berühmten Blue Lagoon. Strategisch perfekt gelegen zwischen Reykjavik und dem Airport Kevlavik  kann man dort in mineralreichem Wasser entspannt die Seele baumeln und es sich gut gehen lassen. DSC01442 300x225 Lost in Iceland   Teil 2Wer Zeit hat sollte es dennoch nicht versäumen, um die weitläufige Anlage herum zu wandern. Bereits wenige Meter neben dem Gelände ist man völlig allein und es bieten sich durch den Kontrast des Lavagesteins mit dem fast unwirklich schimmernden Nass intensivste Farbenspiele, wie man sie sonst wohl nirgends findet. Und wenn es der Zufall besonders gut mit einem meint, bebt in geringem Ausmaß just in diesem Moment die Erde. In der Ferne ruft kaum noch hörbar irgend jemand “Earthquake! Earthquake!” , kleine Lavasteinchen fallen in das strahlend blaue Wasser und man erahnt, wie lebendig die Erde hier noch an jeder Stelle nur wenige Meter unter einem aktiv die Landschaft formt.

Nehmen Sie sich für Island Zeit. Buchen Sie nicht pauschal sondern suchen Sie sich Ihre Route selbst aus. Fahren Sie nicht nur von einem “must be” Punkt zum nächsten sondern erkunden das Terrain auch abseits davon. Auf Island ist der Weg das Ziel! Und auf dem ist oft mehr zu entdecken als man zu hoffen gewagt hat.

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