Hier hat Mallorca sein Image her: Ballermann – besinnungslos betrunkene Deutsche braten sich krebsrot in der Sonne und grölen dabei wirre Dinge in pinkfarbene Plastikeimer hinein, in denen zuckersüße Sangria um Orangenscheiben herum schwappt, bevor sie durch ebenso pinkfarbene Riesenstrohhalme schon vormittags gierig in teutonische Münder gesaugt wird.

Soweit das Klischee, dessen Bestätigung sich rund um den Strandabschnitt, dessen obligatorischer silberner Kiosk die Nummer sechs trägt, sicherlich leicht zu finden ist. Nach wie vor. Und den jüngsten behördlichen Einschränkungen in Sachen Musik und Alkoholausschank an der Playa de Palma zum Trotz.

Das, was beim Gedanken an einen Mallorca Urlaub gerne unter dem Begriff „Ballermann“ subsumiert wird, war und ist schlicht eine der herausragendsten Flirt- und Feieradressen in Europa. Von der Oktoberfestatmosphäre in „Megapark“ und „Bierkönig“ hinüber zur Live-Schlagerparade im „Oberbayern“: Das Nachtleben zwischen Schinken- und Bierstraße ist zu Recht legendär.

Dass die Gläser groß, die Tänzerinnen leicht bekleidet und die Getränkepreise entsprechend klein sind, gehört ebenso zum Geschäft wie Freibier vor dem Mittagessen oder eine Cocktail-Happy-Hour, die fünf Mal am Tag ausgerufen wird. Auf den ersten Blick überraschend mutet dabei der 54-Loch-Minigolfplatz „Fantasia“ in Bestlage mitten in der Partyzone an.

Doch auch er passt ins Gesamtkonzept der kompromisslosen Unterhaltung – und wird seinen Hauptumsatz vermutlich am späten Abend machen. Erfolge der anderen Art lassen sich zum Beispiel nebenan im Oberbayern feiern: hier fungiert ein kostenloses weiß-blau-gerautetes T-Shirt als weithin sichtbare (und werbewirksame) Trinktrophäe. Das Hemd bescheinigt seinem Träger, binnen weniger Stunden für mindestens 30 Euro Alkoholumsatz im Palast des selbst ernannten „König von Mallorca“ gesorgt zu haben.

Die Strandabschnitte Balneario Nummer vier bis etwa acht sind zweifellos fest in deutscher Hand. Die komplette Infrastruktur reicht vom deutschen Arzt, über den Friseur, Metzger, die Apotheke bis zum katholischen Gottesdienst, immer sonntags um 10:30 Uhr. Selbstverständlich dürfen da die von zu Hause gewohnten Backwaren nicht fehlen: Seit acht Jahren sind die in der „Sonnenbäckerei“ zu haben, deren Inhaberin zuvor bereits Costa Rica mit Brezen und Kürbiskernbrötchen versorgt hatte.

Rare Momentaufnahme: der Paradiesstrand von Arenal menschenleer

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Kunden der Bäckerei in der Calle Acapulco in Playa de Palma sind zu mehr als zwei Dritteln Deutsche und einige Holländer. Neben dem kulinarischen Heimatgefühl schätzen sie vor allem die guten und günstigen Frühstücksangebote der Sonnenbäckerei. Die Missionierung der spanischen Bevölkerung mit deutscher Bäcker- und Konditorkunst verläuft dagegen offenbar eher schleppend

Nimmt man Image, Klischees und Emotionen (die einen lieben El Arenal, die anderen hassen es) weg, bleibt die Playa de Palma vor allem eins: ein endloser, strahlend weißer Sandstrand vom Feinsten, dessen Nähe zu Palma Stadt und seine kulinarischen und unterhaltenden Angebote ihn zu einem der attraktivsten der ganzen Insel machen.

Und wer im Urlaub auch internationale Bekanntschaften machen möchte, der wandert einfach vom Kiosk Nummer sechs ein gutes Stück in die eine oder andere Richtung. An beiden Seiten schließen sich Häfen an und Richtung Palma Stadt eröffnet sich sogar die Möglichkeit des Sonnenbads im Schatten der mächtigen Kathedrale La Seu.

Weißer Strand, türkises Meer: El Arenal ist besser als sein Ruf

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